Karin Horak – Fertigungsleiterin

Karin Horak 

Siemens AG

http://www.siemens.com

Studium Unternehmenslogistik an der Verkehrshochschule in Dresden
Karrierestart im Logistikbereich im volkseigenen Werk für Signal- und Sicherungstechnik (WSSB) der ehemaligen DDR
Seit 2001 Fertigungsleiterin im Product Center des Geschäftsgebiets Transportation Systems Rail Automation (TS RA) der Siemens AG

Mobilität ist ihre Triebkraft

Der Bereich Transportation Systems vereint in seinen Arbeitsfeldern sämtliche Kompetenzen von Betriebsführungssystemen über die Bahnelektrifizierung bis hin zu Fahrzeugen für den Nah-, Regional- und Fernverkehr sowie umfassende Erfahrungen im Projektmanagement und zukunftsorientierte Servicekonzepte. Am hochmodernen Standort Berlin-Treptow werden im Geschäftszweig Product Center (PC) innovative Komponenten gefertigt, die auf allen Kontinenten einen reibungslosen Schienenverkehr garantieren. Im Produktionscenter Berlin-Elsenstraße arbeitet Karin Horak am Erfolg des Unternehmens mit. Dies in einer neuen Fertigungshalle mit einer Fläche von 7000 m2. Sie trägt die Verantwortung für 120 Mitarbeiter, darunter 60 Prozent Frauen.

Was macht Ihre Arbeit für die „Mobilität“ für Sie so interessant?

Mobilität ist für uns bei Transportation Systems die Triebkraft unseres Geschäfts. Für mich heißt mobil sein, so schnell wie sicher von A nach B zu kommen. Wir stellen hierzu die Hardware Komponenten her. In unserem Geschäftszweig sind wir für die Eisenbahnsicherungstechnik zuständig. Millionen von Menschen kommen tagtäglich mit unseren höchst komplexen und anspruchsvollen Komponenten in Berührung und können sicher sein, dass diese auch ihre Zuverlässigkeit täglich Stunde für Stunde unter Beweis stellen.

Um welche Komponenten handelt es sich dabei?

In meinem Bereich ist es das gesamte Signalsystem. Ich sage immer, das ist alles das, was Sie links und rechts des Gleises sehen: Signale, Weichenantriebe, Schrankenantriebe, Stellwerk-Inneneinrichtungen, das ist das, was aus unserem Fertigungsstandort Berlin kommt. Dazu zählen auch die Komponenten der Zugsicherungssysteme.

Seit sechs Jahren behaupten Sie sich als Fertigungsleiterin in einer absoluten Männerdomäne. Welche Fähigkeiten haben Sie an die heutige Position gebracht?

Für mich ist es eigentlich nichts Besonderes. Sicherlich, weil ich im Osten Deutschlands groß wurde, wo Frauen auch im Fertigungsprozess nicht selten waren. Zum Beispiel war der Vorgänger meines Vorgängers eine Frau. Ich wurde erst nach der Wende auf diese besondere Stellung angesprochen. Wenn man meine Visitenkarte gelesen und gesagt hat: „Oh, Frau Horak, Sie sind Diplom Ingenieurin? Werden Sie denn auch ernst genommen?“ Ich hatte das gar nicht so empfunden, im Gegenteil. Dass ich Fertigungsleiterin geworden bin, liegt daran, dass ich immer den Ehrgeiz hatte, meine Arbeit so gut wie möglich zu erfüllen.

Frauen in Männerdomänen – hierfür sind Sie ein hervorragendes Beispiel. Welche Möglichkeiten sehen Sie in Ihrem Bereich für Frauen? Wie würden Sie den Nachwuchs motivieren, sich mehr für Technik zu interessieren?

Wir haben in unseren Werkstätten, z.B. im Bereich Kabel und Leitungen, von 14 Mitarbeitern 13 Frauen beschäftigt. Ähnliches gilt für den Bereich Transformatoren. Und im Prüfbereich, Werkstattleiterbereich, Fertigungsingenieurbereich sind auch viele Frauen tätig. Dieser Mix hat sich sehr gut bewährt. 60 Prozent meiner Mitarbeiter sind Frauen – das ist doch bemerkenswert und motivierend. Da kann man ja kaum mehr von einer Männerdomäne reden.

An vielen Projekten in Ihrem Haus, in Ihrer Abteilung arbeiten gleichzeitig Experten unterschiedlicher Disziplinen – das erfordert ein perfektes Zusammenspiel und hohe Flexibilität. Wie gelingt es Ihnen, immer wieder ein solches Orchester zu dirigieren?

Das gelingt mir durch meine Fachkompetenz und Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen, ein sehr hohes Organisationstalent und eine klare Entscheidungsfähigkeit. In unterschiedlichen Teams ist es immer wieder wichtig, schnelle und durchdachte Entscheidungen zu fällen. Außerdem ist Durchsetzungsvermögen im Fertigungsbereich unerlässlich.

Sie tragen Verantwortung für 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie lautet Ihr oberstes Gebot im Umgang mit ihnen?

Das oberste Gebot ist das, was ich auch für mich selbst sehe: Jeder muss sich nach seinen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen einsetzen. Ich habe dabei genauso viel Respekt vor einem Mitarbeiter in der Produktion wie vor einem Fertigungsingenieur. Mir ist wichtig: die Gerechtigkeit in der Akzeptanz und in dem Respekt vor der Arbeit anderer Menschen.

Wie motivieren Sie sich?

Meine Motivation ist die Freude an der Arbeit. Ich arbeite gerne in dem Unternehmen, weil jeder Tag anders ist und ich mich auf qualifizierte Mitarbeiter verlassen kann.

Und wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Siemens bietet hervorragende Arbeitsbedingungen. Wir haben hier einen nach der Wende völlig neu aufgebauten Fertigungsstandort. Auch die sozialen Leistungen sind vorbildlich, und es macht Spaß, in einer modernen Halle mit modernen Arbeits- und Betriebsmitteln zu arbeiten. Ich mache jeden Morgen einen Rundgang durch die Fertigung. Ich habe sehr viele Mitarbeitergespräche, die sehr persönlich geführt werden, und motiviere auch über Zielvereinbarungen.