Vanessa Branson - Marrakech-Biennale, Riad El Fenn

 Vanessa Branson 

www.riadelfenn.com

 

 Sie ist die Schwester von Sir Richard Branson, Abenteuerer und Milliardär. Er umrundet die Welt mit einem Heißluftballon, läßt Menschen per "Virgin Gallactic" ins Weltall schutteln. Und Vanessa Branson? Sie schmückt sich nicht mit fremden Federn, sie realsiert ihre eigenen Visionen, hat sich selbst einen Namen gemacht. Basis ihres Engagements ist die Kunst. Von 1986 bis 1991 hatte sie in Londons hipper Portobello Road eine Galerie und initiierte das "Portobello Arts Festival" . Dann lernte sie Marokko kennen und lieben. Sie kaufte ein historisches Gebäude, renovierte es und machte daraus ein wunderschönes Riad-Hotel, das "Riad El Fenn".Während viele Ausländer die Kleinode in einen Mix aus coolem Lounge-und Marokko-Style" verwandeln, zollt sie dem traditionellen Interior-Design ihren Respekt. Respekt, Nachhaltigkeit, soziales und Umwelt-Engagement sind ihr Credo. EInes ihrer nachhaltigen Projekte ist die Marrakech-Biennale. Sie sagt: Ich bin 50 und ich habe noch viel vor...

 

Anne Lehr: Wie kam es zu Ihrem Engagement in Marrakech als Besitzerin eines traditionellen Riad? Ist das der bekannte Branson-Familien-Virus wie bei Ihrem Bruder Richard, für den es kein Limit gibt, wenn es um Abenteuer geht?

Vanessa Branson: Es ist eine lange Geschichte und natürlich ist auch Abenteuer damit verbunden. Die Story beginnt damit, dass ich mich in den köstlichen marokkanischen Wein verliebt habe. Das passierte, während ich gemeinsam mit RIchard hier in Marokko unendliche Wochen auf das perfekte Wetter gewartet habe, damit er den Versuch starten konnte, mit einem Heißluftballon die Welt zu umrunden. In dieser Zeit habe ich viele Marokkaner näher kennen gelernt. Fünf Jahre später kam ich mit meinem Freund Howell James wieder nach Marokko, um im Atlas-Gebirge Reitferien zu machen. Da entschieden wir uns in der geheimnisumwitterten Stadt Marrakech ein kleines Riad zu kaufen. Und nach vielen Jahren der Liebe, harter Arbeit und ein wenig Hilfe unserer Freunde wurde aus einer Ruine das wunderbare Riad "El Fenn".

 

Anne Lehr: War es für Sie schwierig in Marokko ein Business zu starten, im besonderen als westliche Frau?

Vanessa Branson: Wir hatten früher immer das Sprichwort gehört "In Marokko ist alles möglich, aber nichts sicher". Das hatten wir natürlich im Hinterkopf, doch wir nahmen alles, wie es eben kam und genossen die Erfahrung in Marrakech zu arbeiten. Was Marokkaner auszeichnet, ist ihr erfrischender Optimismus. Es gibt wenig Kritik. Manchmal wächst einem die Bürokratie über den Kopf, das ist aber auch in anderen Ländern ähnlich. Sobald man akzeptiert ist, bekommt man in Marokko überwältigende Unterstützung. Alles in allem ist Marrakech eine Stadt, wo man Respekt auf vielen Ebenen erfahren kann. Und was meine Rolle als Frau betrifft: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich aufgrund meines Geschlechts nie beherrscht oder eingeschränkt gefühlt habe.

 

 Anne Lehr: Was bedeutet Schönheit für Sie? Was finden Sie schön?

Vanessa Branson: Eine interessante Frage.... Ich denke, dass Authentizität die Schönheit ausmacht. Andererseits - Jugend ist schön - unberührte Natur ist schön - Zärtlichkeit ist....

 

 

 

 

 Anne Lehr: Welchen Einfluss hat der marokkanische Lebensstil auf Sie?

Vanessa Branson: Ich denke, dass die marokkanische Eleganz ein herausragendes Charakteristikum ist. Sich glmourös herauszuputen, egal aus welcher Schicht man kommt. Hammam und Massage gehören zur wöchentlichen Routine, dazu wunderbare Aromaöle, duftende Blüten, lange fließende Gewänder.... Am Abend ist da immer noch die trockene Hitze... und es ist wunderbar schöne Kleidung zu tragen, die in anderer Umgebung ehr overdressed wirken würde. Aber auf einer eleganten Terrasse in Marrakech, wenn man von einem nett lächelnden Berber in lockerer Baumwolluniform bedient wird, dann ist es unmöglich, sich "over-dressed" zu fühlen. Natürlich geht auch schlichte Eleganz. Allerdings haben wir Nordeuropäer verlernt, unsere Sinne einzusetzen. Marokkaner leben mit allen Sinnen: Rosenwasser, Organgenblüten-Essenzen, Kräuter, biologisches Essen, lange Mahlzeiten mit Freunden - ob man sie lange kennt oder gerade kennen gelernt hat - immer an langen Tischen... das alles nehme ich mit, wenn ich das Land verlasse: Die pralle Lebensfreude!

 

Anne Lehr: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in Marokko?

Vanessa Branson: Ich kann nicht über ganz Marokko sprechen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen: In Marrakech sind die Universitäten im gleichen Verhältnis von Frauen und Männern belegt. Marrkaech hat Marokkos ersten weiblichen Bürgermeister, eine sehr einflussreiche Frau und - unser Architekt war eine Frau - was kann man mehr sagen...?

 

Anne Lehr: Wenn Sie auf die letzten Jahre zurück blicken, worauf sind Sie stolz?

Vanessa Branson: Ich bin stolz auf die Tatsache, dass ich über Fünfzig bin und mich immer noch die Herausforderungen des Lebens in Aufregung versetzen. Ich spiele eine führende Rolle im kulturellen Leben von Marrakech, indem ich an der Gründung und Entwicklung von AIM, der Marrakech Biennale beteiligt war. Hier wird eine Brücke geschlagen zwischen FIlm-, Musik-, zeitgenössischer Kunst- und Literaturveranstaltungen. Es ist ein kraftvolles Fest der Kreativität - einfach wunderbar!

 

Anne Lehr: Welche Werte sind für Sie im Leben wichtig?

Vanessa Branson: Emotionaler Mut zum Beispiel, ist einer der Werte, die mir wichtig sind!