"Erfolg wird mir zu einseitig definiert."

 Susanna Kindler

 Vice President aeris-Impulsmöbel GmbH & Co. KG

 Ahrntaler Platz 2-6

 85540 Haar

 Tel. 089-90 05 06 41

 www.aeris.de

 www.swopper.de

 www.muvman.de

 www.swoppster.de

 

 

Geboren und aufgewachsen in New York, Karrierestart bei der Carl Zeiss Inc. in New York, Marken- und Marketingexpertin bei renommierten Konzernen, Dozentin für Markenführung an der FH München und als Vice President zuletzt bei Rodenstock, München, kennt Susanna Kindler, heute Vice President Marketing / Sales & HR bei der aeris-Impulsmöbel GmbH in München, Erfolg in den unterschiedlichsten Facetten. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie eine differenziertere Betrachtung des Erfolgsbegriffs empfiehlt.

WE: Sie können auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Als Vice President eines Weltkonzerns waren Sie sozusagen auf Erfolg programmiert. Dennoch haben Sie sich vor einigen Jahren für einen Wechsel in ein deutlich kleineres Unternehmen entschieden. Waren Sie "erfolgsmüde" geworden?

 

Susanna Kindler: Nein, absolut nicht. Nur: Ich bemesse meinen Erfolg nicht danach, wie groß das Unternehmen ist, in dem ich arbeite. Ich habe viele Jahre lang Herausforderungen im Beruf primär nach klassischen, quantitativen Kriterien gesucht und gefunden und dies durchaus sehr erfolgreich und sehr gerne - auch verbunden mit den "dazugehörigen" Privilegien. Aber: Man muss schon ein Auge dafür behalten, dass man sich da nicht in ein Paralleluniversum hineinarbeitet und seinen Erfolg - als Manager und Mensch - nur anhand von Zielreichungsgraden und Statussymbolen bemisst. Diese Gefahr halte ich auch eher für ein Zeitgeist-Phänomen als für ein Kennzeichen der Unternehmensgröße. Ich bin also nicht erfolgsmüde geworden - ganz im Gegenteil - ich mag nur nicht, wenn Erfolg ausschließlich gleichgesetzt wird mit quantitativen Messgrößen. Ich glaube auch nicht, dass man so langfristig echten Erfolg haben kann - weder als Unternehmen, noch als Manager.

 

WE: Setzen Sie heute also Erfolg gleich mit "weichen Faktoren"?

 

Susanna Kindler: Nein! Ich bin und bleibe ein Zahlen- und Faktenmensch. Als Manager habe ich selbstverständlich die Verantwortung für das wirtschaftliche Ergebnis meines Unternehmens. Die Zahlen müssen stimmen - ob Weltkonzern oder kleineres Unternehmen. Aber: Das ist eben die Basis und nicht alles. Die Sicherung und Schaffung von "guten" Arbeitsplätzen, also Jobs, in denen Menschen gefördert, aber auch gefordert werden und so ihre Talente für das Unternehmen entfalten können, die Fokussierung auf Angebote für den Kunden, die echten Mehrwert und Sinn schaffen und - certainly not least - in einem Unternehmen eine Wertekultur schaffen, die authentisch ist und nicht nur als ein von einer Agentur entworfenes Mission Statement existiert - das alles zusammen macht für mich heute Erfolg aus.

WE: Und ist dieses Erfolgskonzept nicht verbunden mit dem Verzicht auf Privilegien, Status, Geld?

 

Susanna Kindler: Ja und nein. Klar könnte ich in einem anderen Unternehmen, einem größeren vielleicht, ein dickeres Meilenkonto im Vielfliegerprogramm haben und würde meine Wochenenden öfter auf Events mit großen Büffets verbringen und, und, und... Privilegien sind reizvoll, aber nicht, wenn ich dabei auf  Marken- und Wertesubstanz verzichten müsste. Bei aeris ist den Mitarbeitern das Denken nach "Businessclass steht mir zu", "ich habe Anspruch auf ein neues XYZ" völlig fremd. Wir machen das, was angemessen und sinnvoll ist, was wir uns leisten können und wollen und keiner meiner Mitarbeiter leitet seine Bedeutung für das Unternehmen daraus ab, welchen PKW er fährt. Und nein, mit Verdienst hat das nichts zu tun. Mein Job ist weder ein Ehrenamt noch ein Sozialdienst geworden. Also keine Spur von Verzicht – vielmehr ein Gewinn in anderen Dimensionen.


 

WE: Sie operieren jetzt in dieser kleinen Innovationsschmiede aeris mit den weltweit mehrfach für Funktion und Design ausgezeichneten Aktiv-Sitzmöbeln wie dem "swopper". Sind Sie denn hier erfolgreich – nach Ihrem Konzept?

 

Susanna Kindler: Ja, das Konzept geht gut auf. In der Büromöbelbranche war 2009 ein sehr hartes Jahr – zweistellige Umsatzrückgänge, große Player sind in die Knie gegangen. Wir haben das Jahr sehr gut überstanden – übrigens ohne Kürzung von Arbeitsplätzen – und das erste Quartal 2010 ist sensationell gut! Das aeris-Team lebt unsere Philosophie von „Leben in Bewegung“, wir haben eine gefüllte Innovationspipeline, wir leisten es uns, nur mit Partnern zusammenzuarbeiten, die zu uns passen. Unser Hauptprodukt, der Aktiv-Bürodrehstuhl "swopper" ist nach wie vor unschlagbar als Bürostuhl für Menschen, die gesund sitzen wollen. Und neben harter Arbeit können wir auch tüchtig feiern. Doch, das ist ein echt schöner Erfolg.