Die „First Jet-Lady“ der Luftwaffe

Oberleutnant Ulrike Flender

 

 

Sie hat als erste deutsche Frau die Ausbildung zur Jet-Pilotin abgeschlossen. Der offizielle Militärluftfahrzeug-Führerschein wurde ihr am 22.September 2006 verliehen. Seit Februar 2007 sitzt sie nun als „First Jet-Lady“ im Cockpit eines Tornado...

Sie gehen als erste Frau im Cockpit eines Tornado in die Geschichte ein. Was ist das für ein Gefühl?

 

Ulrike Flender: Ich bin sehr stolz, die Ausbildung abgeschlossen zu haben, das sind auch alle meine Kameraden. Ich sehe mich aber nicht als etwas Besonderes, denn dass ich die Erste bin, ist ja nur ein Zufall, und es werden noch viele Frauen folgen, die genau das Gleich schaffen. Ich möchte auch nicht als etwas Besonderes behandelt werden. Im Gegenteil, mich macht es stolz, wenn meine (männlichen) Kameraden genau so mit mir umgehen wie mit jedem anderen auch.

 

Sie hatten schon als Kind den Traum vom Fliegen. Zielstrebig haben Sie sich noch als Abiturientin für eine Möglichkeit im fliegerischen Dienst bei der Bundeswehr informiert. Ein Wehrdienstberater hat Ihnen ein Truppenpraktikum vermittelt. Wie trafen sich Illusionen und die Realität und wann kam der Entschluss, Tornado-Pilotin werden zu wollen?

 

Ulrike Flender: Im Truppenpraktikum konnte ich mir eine Woche lang alle Teilbereiche eines Geschwaders ansehen und viele Fragen stellen. Ich habe den Arbeitstag der Piloten und Waffensystemoffiziere miterlebt, durfte einmal im Tornado sitzen und sogar einmal Simulator fliegen. Mein Entschluss, Tornado-Pilotin werden zu wollen, stand eigentlich schon vorher fest, und das Praktikum hat mich darin bestätigt. Was ich dort kennen gelernt habe, war mein absoluter Traumberuf, und das hat sich bis jetzt nicht geändert.

 

Dann folgte die Bewerbung als Offiziersanwärterin. Gab es noch Mitbewerberinnen? Welche Fragen muss man zum Beispiel beantworten? Wie sahen Sie damals selbst Ihre Chancen in dieser Männerdomäne?

 

Ulrike Flender: Ja, es gab noch Mitbewerberinnen in der OPZ (Offizierbewerberprüfzentrale) in Köln. Fragen waren z.B. – warum ich Soldat/Offizier/Pilot werden will, - ob ich mir im Klaren drüber bin, was es bedeutet, in den Einsatz zu gehen und lange Zeit von zu Hause weg zu sein, - nach dem einen Kenntnisstand über die Bundeswehr/Politik, - über den bisherigen Werdegang, Hobbys etc.

 

Ich dachte nicht, dass ich große Chancen habe. Das lag aber nicht daran, dass der Beruf von Männern dominiert ist, sondern an den hohen Anforderungen an alle Bewerber. Ich habe mich gefragt, warum ausgerechnet ich alle Tests bestehen sollte, wo doch so viele Bewerber durchfallen.

 Und dann endlich – das Pilotentraining in den USA…

 

Ulrike Flender: Das erste Mal in einem Flugzeug: Ich konnte es nicht fassen, dass ich wirklich in einem Flugzeug saß und es jetzt gleich selbst fliegen sollte. Es hat noch einige Zeit gedauert, bis ich das wirklich realisieren konnte. Während des Fluges war ich sehr konzentriert und hatte keine Zeit darüber nachzudenken.

Beim ersten Formationsflug: Auch hier war keine Zeit zum Nachdenken. Es ist am Anfang sehr schwer, so nah neben einem anderen Flugzeug zu fliegen. Ich war total angespannt vor Konzentration.

Beim ersten Soloflug: Ich war total nervös vor meinem ersten Solo. Das wurde erst besser, als ich in der Startposition war. Da überwog dann wieder die Konzentration.

 

Ihr Einsatz ist als Jagdbomberpilotin auf dem Waffensystem Tornado. Nun besteht ja kein aktueller Anlass. Was aber, wenn der Fall eintritt?

 

Ulrike Flender: Tornado-Pilot zu sein heißt auch, vielleicht in den Einsatz geschickt zu werden, und wenn das der Fall sein sollte, dann werde ich gehen. Das fällt bestimmt keinem leicht, und ich bin davon überzeugt, dass ein Mann damit nicht anders oder besser umgehen kann als eine Frau, das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun. Ich denke, da kann man niemanden in eine Schublade stecken. Das verarbeitet jeder/jede ganz individuell.

 

Wie motivieren Sie sich?

 

Ulrike Flender: Mich motiviert auf jeden Fall der Gedanke, in Deutschland in der Staffel fliegen zu können. Außerdem denke ich oft an Flüge, die besonders viel Spaß gemacht haben, besonders gut gelaufen sind oder bei denen ich sehr viel gelernt habe.

 

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

 

Ulrike Flender: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg